Raglanmantel – Kein gewöhnlicher Teststrick

LOTILDA Teststrick Raglanmantel

In den letzten Wochen ist es bezüglich Strick etwas ruhig auf meinem Blog geworden. Das liegt in erster Linie an meinem Teststrick-Experiment, denn ich war ganz schön mit der Umstrukturierung meiner Anleitung beschäftigt, damit sie für meine Teststrickerinnen paßt. Aber erst nochmal zu den Anfängen …

Wer es noch nicht weiß … es geht um diesen Mantel hier, den ich als Raglan von oben aus der Ingenua von Katia in perlrosa gestrickt habe.

LOTILDA Verschlußloser Mohair Strickmantel mit Bindegürtel

In dem Blogpost habe ich bereits etwas zu dem Projekt geschrieben und 3 Teststricker/innen gesucht.

Wichtig war mir vor allem, daß der Mantel aus einer anderen Wolle oder aber in einer anderen Größe als meine (34) gestrickt wird.

Und nun kann ich euch auch etwas detaillierter zeigen, welche Schritte meine Teststrickerinnen erst einmal hinter sich bringen mußten, um ihre „maßgeschneiderte“ Anleitung zu erhalten:

SCHRITT 1: Deine Wolle

Eine Teststrickerin mußte leider schweren Herzens aussteigen, daher kann ich euch nur die Auswahl der zwei anderen Mädels zeigen. Beide haben sich so tolle Wolle ausgesucht, die hätte ich vom Fleck weg auch verstricken können:

  • Name: Manuela
  • Instagram: @frauriese
  • Wolle: Lana Grossa „Silkhair“ – dreifach in blau
  • Nadelstärke: 9
  • Maschenprobe (10 x 10 cm): 10 M x 10 R
  • Gewicht: 1,8 g bei 7 x 10 cm
  • Größe: Individuell nach Skizze
LOTILDA Teststrick Raglanmantel - Maschenprobe Manuela
Maschenprobe von Manuela „Silkhair“ von Lana Grossa – 3-fädig
  • Name: Elvan
  • Instagram: @elvan46
  • Webseite: Hier-werkelt-Elvan
  • Wolle: Lamana „Bergamo“ in schiefergrau und Lang Yarns „Lusso“ in silbergrau
  • Nadelstärke: 6
  • Maschenprobe (10 x 10 cm): 14 M x 24 R
  • Gewicht: insgesamt < 6 g (muss noch mal genauer ausgewogen werden)
  • Größe: Individuell nach Skizze
LOTILDA Teststrick Raglanmantel - Maschenprobe Elvan
Maschenprobe von Elvan: „Bergamo“ von Lamana und „Lusso“ von Lang Yarns

An den Maschenproben könnt ihr bereits sehen, daß sie beide total unterschiedlich sind. Was das Gewicht und die Kalkulation des Wollverbrauchs angeht, konnte ich für Manuela erst die richtige Schätzung abgeben, als sie ihre Maschenprobe mit einer Briefwaage abgewogen hatte. Mit der normalen Küchenwaage hatte sie ein ungefähres Gewicht von weniger als 2 g, das genaue Gewicht mit der Briefwaage beträgt 1,8 g:

  • 2 g – 453 g (18 Knäul)
  • 1,8 – 407 g (16 Knäul)

Der Unterschied ist doch wohl enorm und ich werde mir jetzt auch eine Briefwaage für zu Hause zulegen!

Leider habe ich noch nicht viele unterschiedliche und repräsentative Ergebnisse zur Richtigkeit dieser Kalkulation, aber bei meinen eigenen Modellen hat es bisher bis auf eine Abweichung von ca. 10 % ganz gut funktioniert.

Wie so eine Kalkulation funktioniert habe ich hier bereits gebloggt: „Wollverbrauch anhand einer 10 cm x 10 cm Maschenprobe???

SCHRITT 2: Deine Daten

Die Maßangaben für die in der folgenden Skizze angegebenen Buchstaben werden in eine Tabelle eingetragen.

LOTILDA Skizze Raglan Kurzmantel mit Gürtel

Eine fertige Maßtabelle für die Konfektionsgrößen 34 bis 44 dient der Orientierung, aber am besten meßt ihr an euch selbst und/oder – was mir immer sehr hilft – an einem Oberteil/Jacke/Mantel mit der gewünschte Passform.

SCHRITT 3: Anleitung

Nachdem ich die Daten aus Schritt 1 und 2 erhalten hatte, war für mich noch ein „wenig“ Arbeit nötig, um die Anleitung anzupassen, so daß sie sozusagen auf Knopfdruck für beide Teststrickerinnen paßt.

Die Anleitung im PDF-Format ist stichpunktartig in Abschnitte (z. B. Raglanteil, Ärmel) gegliedert und enthält alle relevanten Maschen und Reihenangaben, Zunahmen etc.

Das PROBLEM! Jetzt seid ihr gefragt …

Und jetzt komme ich auf das „kleine“ Problem, das sich zukünftig auch nicht vermeiden läßt, wenn die Wolle vom Originalmodell abweicht: Um den Wollverbrauch kalkulieren zu können, ist das Gewicht und die Abmessung der Maschenprobe zwingend VORHER notwendig.

Eine Maschenprobe mit der Wolle deiner Wahl kannst du natürlich nur stricken, wenn du die Wolle auch zu Hause hast. Im Idealfall hast du noch Wollreste deiner Lieblingswolle, wenn nicht, dann mußt du dir zunächst die Testwolle besorgen!!!

Und jetzt kommt die Gretchenfrage: Wie siehst du das? Bist du bereit 2 x ins Wollgeschäft zu stiefeln oder ein zweites Mal zu bestellen?

Wahrscheinlich nicht!!!

Oder doch? Wenn ich bedenke, welche Wege ich bereits auf mich genommen habe, um eine bestimmte Wolle zu testen oder nur zu fühlen. Und die Möglichkeit eine „maßgeschneiderte“ Anleitung für die Wolle deiner Wahl zu bekommen ist ja auch mega interessant.

Wie stehst du dazu? Schließlich betrifft es ja letztendlich dich.

Wieviel Umstände würdest du in Kauf nehmen? Findest du eine Vorab-Maschenprobe lästig und würdest lieber eine Standard-Anleitung in Größe X, Y, Z bevorzugen?

Ich bin gespannt auf deine Meinung …

Liebe Grüße und bis bald

Tanja

 

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5 Kommentare

  1. Liebe Tanja,
    also ich habe kein Problem damit erst ein Testknäeul zu holen, eine Maschneprobe zu stricken und dann zu wissen, wieviel ich noch brauche. Das liegt mit Sicherheit aber auch daran, dass ich in Berlin meine Wollgeschäfte immer recht nah bei mir habe und mich das so gut wie keine Zeit kostet die Wolle nachzukaufen.
    Ich muss sagen, ich finde diese „neue“ Art der Anleitung hervorragend und finde dafür lohnt sich ein Extragang zum Wollladen auch. Außerdem, wenn wir mal ehrlich sind, ist es niemals eine Belastung oder Zeitverschwendung im Wollladen Wolle zu „schmusen“. 🙂 Ich freue mich auf die Anleitung und bin schon sehr gespannt.
    Liebe Grüße
    Nadine

    1. Hallo liebe Nadine,

      vielen Dank für deine Meinung! Du hast es wirklich gut, wenn du deine Lieblings-Wollgeschäfte vor Ort hast. Ich beneide dich! Meine Lieblingswolle bekomme ich nur im Internet, aber auch das stellt für mich kein Problem dar, da ich meine Projekte lange im voraus plane und mir meine Wolle zusammenstelle.

      Auf der anderen Seite hatte es eine meiner Teststrickerin nicht so einfach: Sie mußte erst vom platten Land in die Stadt fahren, was man ja meistens auch nicht mal eben macht … Toll wäre es in so einem Fall, wenn man die Maschenprobe direkt im Wollgeschäft stricken würde und wenn die Anleitung dann beispielsweise auf dem Handy wäre, dann kann man sich den Wollverbrauch anhand der Maschenprobe vom Programm gleich ausrechnen lassen …

      Lieben Dank auch für deinen Zuspruch für die LOTILDA-NEXT-GENERATION-STRICKANLEITUNGEN … ;o)))

      Liebe Grüße
      Tanja

  2. Ooooh ich hab inzwischen schon mehrmals für verschiedene Designer getestet bzw an Büchern mit gearbeitet…. Ich mach das alles gerne und finde die jeweilige Herausforderung toll ….auch macht es mir nix aus zu bestellen oder 2x ins Geschäft zu fahren ….ansonsten hab ich hier reichlich Material im stash (ca 24qm 🙂 🙂 🙂 )…..Gruß Viola 🙂 🙂 🙂

  3. Ich finde dein System sehr gut! Für mich wäre es kein Problem, zweimal zum Wollgeschäft zu gehen, da es bei mir ganz in der Nähe ist. Vielleicht hat man ja auch mal Restwolle zu Hause.
    Ich würde sehr gerne mal für dich Teststricken. Startest du dann einen Aufruf im Blog oder hast du schon Stammstrickerinnen?
    Liebe Grüße
    Doro

    1. Hallo liebe Doro, danke für deinen Kommentar. Das ist natürlich ideal, wenn das Wollgeschäft um die Ecke ist … Zum Teststricken habe ich dir bei der „Bomber-Strickjacke“ geantwortet.
      LG Tanja

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